Ich mag ja HUAWEI, ansonsten hätte ich diesen Blog hier nicht ins Leben gerufen, aber manchmal kann ich über HUAWEI einfach nur den Kopf schütteln. Deshalb gibt es von mir hier einen Kommentar mit meiner höchst persönlichen Meinung zu einem aktuellen “Vorfall” bei dem auf Twitter ein Neujahrs Gruß auf dem offiziellen HUAWEI Mobile Channel gepostet wurde und zwar mit einem iPhone! Uh, wie wahnsinnig schlimm…

Doch der Reihe nach:

So schaute der Post aus, auf den ich via dem Youtuber Marques Brownlee aufmerksam wurde:

Der wurde an Silvester auf dem offiziellen HUAWEI Account gepostet und zwar von einem iPhone aus.

Kurze Zeit später war der Tweet dann gelöscht und man sah nichts mehr von Apple. 

Meiner Meinung nach ein klassischer Fehler einer Agentur. An Silvester war wohl nur der Praktikant im Büro und so kann sowas schonmal passieren. Mir ist auch schon öfters mal aufgefallen, dass man auf offiziellen Kanälen HUAWEI so geschrieben hatte: “HAUWEI”

Das ist halt alles ein wenig peinlich, aber eigentlich kein Beinbruch. Man korrigiert den Rechtschreibfehler, oder wie in diesem Falle löscht man den Tweet und stellt einen neuen ein. Natürlich muss man sich dann einen kleinen Shitstorm aussetzen, denn das Netz vergisst nicht. Who Cares?

Grundsätzlich werden die Social Media Kanäle von Agenturen betrieben. Natürlich bekommen diese Vorgaben aus den einzelnen Abteilungen von HUAWEI was, wann und wo veröffentlicht werden soll. In diesem Fall hat wohl die beauftragte Agentur “Sapient” Mist gebaut. Shit happens. 

Hier könnte die Geschichte enden, tut sie aber nicht. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt ein internes Memo vor, dass den Hergang beschreibt und zusätzlich auch noch Sanktionen gegenüber HUAWEI Mitarbeitern ausspricht.

The mistake occurred when outsourced social media handler Sapient experienced “VPN problems” with a desktop computer so used an iPhone with a roaming SIM card in order to send the message on time at midnight.

Durch die chinesische Firewall muss man sich via VPN helfen. Hier wollte man wohl eigentlich nur seinen Auftrag erfüllen und noch vor Mitternacht den Tweet absetzen. 

Jetzt kommt aber der eigentliche Hammer in meinen Augen:

Huawei in the memo said the blunder showed procedural incompliance and management oversight. It said it had demoted two employees responsible by one rank and reduced their monthly salaries by 5,000 yuan ($728.27).

HUAWEI meinte wohl, dass der Fehler auf Unzulänglichkeiten in den eigenen Reihen basierte und bestrafte zwei Mitarbeiter. Sie wurden degradiert und ihr Gehalt gekürzt,  einer davon ist wohl der Digital Marketing Direktor, dem zusätzlich noch ein Beförderungsstopp widerfahren ist.   

Da fiel mir erstmal die Kinnlade runter, als ich das das erste Mal bei den Kollegen von androidpit.de gelesen hatte. Dort wurde allerdings zuerst nicht von dem ursächlichen Fehler der Agentur gesprochen, sondern nur von den HUAWEI Mitarbeitern (inzwischen korrigiert). Da es aber meiner Meinung nach die Agentur verbockt hat, halte ich diese Sanktionen für völlig übertrieben. Klar kann man die Agentur “bestrafen” und den Vertrag auslaufen lassen oder sogar fristlos kündigen, aber was bitte hätten die HUAWEI Mitarbeiter machen sollen? Den einzigen Fehler, den man in diesem Zusammenhang bei den Verantwortlichen hätte finden können, wäre meiner Meinung nach eine fehlende explizite Anweisung, dass Social Media Posts NICHT mit einem iPhone gepostet werden dürfen. Wobei das dann halt in dem Vertrag zwischen HUAWEI und der Agentur hätte  geregelt werden müssen. Dazu fehlen aber Hintergrundinformationen. 

Nichtsdestotrotz wirft das kein gutes Licht auf HUAWEI, vor allem nicht, da es aktuell sowieso nicht so gut um das Image steht, wenn man sich die Diskussionen um die Sicherheit des 5G Netzes im Hinblick auf die Spionagevorwürfe aus UK, USA und Australien anschaut, oder sich die Festnahme von Meng Wanzhou der Tochter Ren Zhengfeis, ihres Zeichens HUAWEIs Finanzchefin, aufgrund des Verdachtes des Verstoßes gegen US-Sanktionen (Embargo) gegen den IRAN , betrachtet. 

Gestern und vorgestern hab ich mir ne Doku auf ZDF angeschaut: “Die neue Seidenstrasse – Chinas Griff nach Westen”. Sehr empfehlenswert!: 

Teil 1  | Teil 2

Hier kann man sich einen meiner Meinung nach guten Eindruck verschaffen, wie der Chinese so tickt und warum man jetzt vielleicht in Shenzhen so ein wahnsinniges Drama bezüglich eines mit einem iPhone abgesandten Tweets macht. Dazu habe ich auch noch folgende Satz gefunden: 

Das Streben, sein Gesicht zu wahren, und die Furcht, Gesicht zu verlieren, sind als Charakteristika chinesischer Mentalität das vielleicht bekannteste Merkmal der chinesischen Kultur und Gesellschaft. 

Quelle: tagesspiegel.de

Wie seht ihr das? Völlig überzogen, oder nachvollziehbar? 

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Über den Autor

Rainer Fürst

Inhaber. Gründer. Blogger. technikaffin. fair. offen. kritisch. Vater von zwei wunderbaren Mädels. Kniekranker Läufer. Leidender 60er Fan. Unambitionierter Rennradfahrer. Früherer Fitness Boxer.

5 Kommentare

  1. Indra Bender veröffentlicht am

    Es ist schon etwas überzogen, meines Erachtens nach ein sog. Schnellschuß. Es hätte nicht passieren dürfen, aber jetzt so zu reagieren ist nicht fair, man muss/ sollte die Agentur dafür zur Rechenschaft ziehen. Außerdem ist das sowieso nächste Woche vergessen.

  2. Sven veröffentlicht am

    Aus europäischer/westlicher Sicht Kaum nachvollziehbar… Aber wie ihr selber schon festgestellt habt, ist.dieser Tweet und die daraus folgende Belustigung schon ein “Gesichtsverlust”. Wäre nicht “öffentlich” darauf herumgeritten worden, wäre wohl recht wenig passiert…
    Da können eben auch Konsequenzen für die Mitarbeiter folgen, die z.b. die Agentur ausgewählt haben.

    Ein “die sind aber Schuld” funktioniert in China nicht so wirklich 😉

    Der jetzt entstandene Image-Schaden ist da relativ wurst.
    Manchmal würde ich mir wünschen, dass die europäer etwas mehr von dieser “Verantwortungskette” bei Fehlern übernehmen würden… (Hier kann man oft sehen, wie “Fehler” nach unten durchgereicht werden). Natürlich ohne solche drakonischen Strafen

    Naja, ich fand den tweet recht belanglos… Und kann mich jetzt auch nicht über die konsequenzen echauffieren… So funktioniert das eben in Asien, vor allem in China (und hat mal nichts mit der Regierung zu tun 😉 )

  3. Bob veröffentlicht am

    Extrem Kreative Übersetzung aus dem englischen…aus meiner Sicht, ein NoGo vom Verfasser dieses Artikels! Ist immer doof wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, selber aber auch nicht fair ist…

    • Rainer Fürst
      Rainer Fürst veröffentlicht am

      Hi, sorry wenn das wie eine Übersetzung rüberkam. Ist es nicht. Das ist eine persönliche Anmerkung.

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