Firmware Update – Was bedeutet CUST, EMUI und Co.

Wir, als Blog von Huawei Fans für Fans, stellen euch regelmäßig neue Firmwareversionen und Softwareupdates vor, mit denen Ihr manuell Eure Huawei Geräte aktualisieren könnt. Da nicht immer jede Firmware für jedes Gerät geeignet ist, haben wir hier mal die wichtigsten Infos dazu für Euch zusammengetragen.

Inhaltsverzeichnis

Welche Firmware / Softwareversion habe ich?

Jedes Huawei Gerät kommt mit einer eigenen Softwareversion. Den aktuell installierten Stand kann man unter Einstellungen > Über das Telefon sehr bequem und übersichtlich abfragen. Doch was sagt einem genau diese Auflistung, die uns Huawei hier zeigt. Das schauen wir uns am Beispiel Huawei Mate S mal etwas genauer an.

Firmware

Huawei Firmware Informationen

1.) Modellnummer

Zuerst sehen wir hier die Modellnummer. Diese beschreibt das vorliegende Huawei Gerät etwas detaillierter als der offizielle Name. In der Modellnummer finden wir Informationen zum Gerätenamen und der Netzwerk-Variante. In unserem Beispiel also CRR-L09.

Gerätemodell

  • CRR → Mate S
    Der vordere Teil zeigt also den Huawei internen Gerätenamen.

Gerätevariante

  • L09 Single SIM + spezifische Mobilfunkfrequenzen (siehe Bild)
    Huawei Gerätevariante

    Mobilfunkfrequenzen der Gerätevariante

    Der Teil nach dem Bindestrich gibt also die Gerätevariante wieder. Sie beschreibt die Art des SIM Slots sowie die unterstützten Mobilfunkfrequenzen. Welche Mobilfunkfrequenzen das genau sind, kann man leider nicht direkt aus der Variante ableiten, da Huawei in der Systematik leider etwas inkonsequent ist. Für genauere Informationen empfiehlt sich ein Blick in die technischen Daten des jeweiligen Geräts. Dort sind die Unterschiede in der Regel beschrieben und pro Variante aufgelistet.

2.) Build-Nummer

Als nächstes haben wir die Build-Nummer. Diese ist eine Kombination, die die Software genauer beschreibt und die für ein Update einen grundlegenden Baustein darstellt. In der Build finden sich viele wichtige Informationen wieder, die sich in einzelne Bauteile aufteilt.

Huawei Firmware Aufbau

Aufbau der Huawei Firmware

Gerätemodell und Variante

Beim ersten Teil hätten wir wieder das Gerätemodell und die Gerätevariante. Wie schon im Punkt Modellnummer beschrieben gibt das die Information wieder um welches Huawei Gerät es sich genau handelt.

Firmware Regions- / Provideranpassung (CUST)

Die Regionsanpassung oder CUST ist einer der wichtigsten Bestandteile der Firmwareinformationen. Die CUST gibt Hinweise auf die Region und / oder den Provider für den die Firmware erstellt wurde. Sie enthält neben diversen länderspezifischen Einstellungen oft auch zusätzliche Anpassungen wie zum Beispiel Providerlogos, Bootanimationen, Themes, Hintergrundbilder oder vorinstallierte Apps.

Hier mal ein Auszug* der wichtigsten CUSTs im Überblick:

CUSTRegionProvider
C02EuropaVodafone
C10Russland 
C21 Telefonica / O2
C40TschechienTelefonica / O2
C55ItalienTIM
C86SpanienYoigo
C112Latein Amerika 
C121Türkei 
C123Schweiz 
C150 Telekom
C151Indien 
C185Mittlerer Osten 
C209Asien (Pazifik) 
C249SerbienTelekom
C432Europa 
C470Asien (Pazifik) 
C567USA
C605Kolumbien 
C636Asien (Pazifik) 
C637Spanien 
C652EuropaDemo Firmware
C675Indien 
C900GeneralFreie intern. Version

Firmwareversion

Der letzte Abschnitt der Build-Nummer zeigt uns die Firmwareversion. Diese beschreibt den aktuelle Betriebssoftwarestand des vorliegenden Gerätes. Da Huawei unterschiedliche Entwicklungsstadien nutzt ist die Versionierung der Firmware nicht durchgängig aufsteigend. Es kann also durchaus sein, dass eine zahlenmäßig kleinere Version in Abhängigkeit von Gerätevariante und CUST einen aktuelleren Stand hat als eine größere Zahl.

3.) EMUI-Version

Neben Modell- und Build-Nummer gibt es eine Angabe über die Bedienoberfläche EMUI. Hier beschreibt Huawei welche Version der hauseigenen Nutzeroberfläche auf dem Gerät installiert ist. Genauere Infos zu EMUI und dessen unterschiedlicher Versionen findet ihr in unserer EMUI-Wiki.

4.) Android-Version

In der Android-Version wird, wie es die Benennung schon sagt, der Stand des quelloffenen Betriebssystems Android angezeigt auf dem die vorliegende Firmware basiert. Android bildet den grundlegenden Kern der Software und ist eine Plattform für die Hauptfunktionen des Geräts. Diese Funktionen werden durch die oben genannte EMUI Version dann noch zusätzlich erweitert.

Was bedeutet das für mich im Falle eines Updates?

Alle die oben genannten Punkte bilden die Grundlage für ein Firmwareupdate. Sie können ein Update ermöglichen oder auch verhindern. Um Schäden durch nicht kompatible Software an den Geräten zu vermeiden hat Huawei in seine Update-Routine entsprechende Prüfungen eingebaut. Maßgeblich sind das

  • Gerätemodell
  • Variante
  • CUST
  • Firmwareversion

Diese Eigenschaften werden bei jedem Updateprozess überprüft und mit den Updatevorrausetzungen der neuen Firmware abgeglichen.

Updateversion

interne Updateprüfung in der Firmware

Ist die Prüfung nicht erfolgreich wird der Updatevorgang mit einem Fehlerhinweis abgebrochen. Wird die Prüfung durch die Software bestätigt, wird das Update installiert.

Manuelles Update – Unterschied OTA <> Vollversionen

Bei manuellen Firmwareupdates gibt es zwei wichtige Unterschiede. Entweder man hat ein Update Over-the-air (OTA) oder eine Vollversion vorliegen. Bei beiden Varianten fallen die Prüfungen etwas unterschiedlich aus.

OTA Updates

OTAs werden in der Regel nach IMEI Nummern verteilt. Diese werden von Huawei direkt auf die entsprechenden Geräte gepusht wenn IMEI, Build-Nummer und Region vom Update-Server als positiv bewertet werden. Nach der Bereitstellung des Updates kann es mehrere Wochen dauern, bis es auf allen Endgeräten angezeigt wird.

Prinzipiell ist das aber kein Problem, da man diese OTA Updates auch manuell installieren kann. An dieser Stelle muss man aber beachten, dass hier die oben genannten Prüfungen sehr restriktiv greifen. OTA Files sind in der Regel nur für definierte Build-Nummern freigegeben. Zudem sind diese regionsabhängig. Die Update Prozedur prüft hier explizit auf diese Dinge ab. Wird die Voraussetzung nicht erfüllt, dann wird der Updatevorgang beendet. Von Workarounds, die so im Netz rumgeistern, um die Installation zu forcieren, ist an dieser Stelle dringend abzuraten. Dies führt unter Umständen zu einem nicht mehr korrekt startendem Gerät.

Beispiel:
OTA-Update Version CRR-L09C432B303 auf CRR-L09C432B321 (File enthält Prüfung auf CRR-L09C432B114 und CRR-L09C432B303)

  • CRR-L09C432B303 → CRR-L09C432B321 ⇒ UPDATE wird installiert
  • CRR-L09C636B131 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird nicht installiert
  • CRR-L09C432B145 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird nicht installiert
  • CRR-L09C432B114 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird installiert

(Achtung das sind fiktive Buildnummern!!)

Vollversion

Vollversionen sind im Gegensatz zu OTA Updates oftmals für mehrere Geräte geeignet, da diese meist ein größeres Build-Nummern Spektrum umfassen. Daher lassen sich Vollversionen oftmals einfacher installieren als OTA Updates.

Beispiel:
Installation der Vollersion CRR-L09C432B321 (File enthält Prüfung auf CRR-L09C432B114 bis CRR-L09C432B303 und CRR-L09C900B001, CRR-L09C900B131)

  • CRR-L09C432B303 → CRR-L09C432B321 ⇒ UPDATE wird installiert
  • CRR-L09C432B114 → CRR-L09C432B321 ⇒ UPDATE wird installiert
  • CRR-L09C900B145 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird nicht installiert
  • CRR-L09C900B131 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird installiert
  • CRR-TL00C01B172 → CRR-L09C432B321 ⇒ Update wird nicht installiert

(Achtung das sind fiktive Buildnummern!!)

Update Methoden (manuelle Installation)

Für die verschiedenen Updates gibt es natürlich unterschiedliche Vorgehensweisen, wie man diese auf sein Gerät installieren kann.

Bevor man aber mit der Installation beginnt muss man sich das entsprechende Update natürlich noch runterladen. Hier ist es wichtig, dass man das an einem PC macht. Downloads direkt auf das Gerät können immer fehlerbehaftet sein und somit verhindern, dass das Update korrekt funktioniert.

Installation OTA Update

  1. Als erstes lädt man sich die Upgradedatei der jeweiligen Firmware herunter. Die OTA Datei sollte hier den Namen update.zip tragen. Falls die Datei anders benannt ist, dann muss diese ggf. noch entpackt werden bis die „update.zip“ vorliegt
  2. Danach kopiert man diese „update.zip“ in einen Ordner namens dload in die oberste Ebene des internen Speichers oder der SD Karte. Falls dieser Ordner nicht vorhanden ist, dann muss dieser manuell erstellt werden.
  3. Nachdem diese Schritte durchgeführt wurden, tippt man in der Telefonapp folgende Zeichenfolge: *#*#2846579#*#* ein. Dort klickt man dann auf ProjectMenu > Software Upgrade > SDCard Upgrade und bestätigt dieses. (Sollte die update.zip nicht erkannt werden, dann bitte keine anderweitige Installation z.B. durch das Entpacken der update.app vornehmen, das kann zu einem Softbrick /Bootloop) führen)
  4. Es startet der Update Prozess. Das Gerät startet nach Abschluss des Update neu.

Installation Vollversion

  1. Wie schon beim OTA lädt man sich das Firmware File runter und entpackt die Datei soweit bis eine UPDATE.APP vorliegt.
  2. Diese Datei kopiert man anschließend in einen Ordner namens dload in die oberste Ebene des internen Speichers oder der SD Karte.
  3. Jetzt tippt man wieder in der Telefonapp folgende Zeichenfolge: *#*#2846579#*#* ein und wechselt anschließend in ProjectMenu > Software Upgrade > SDCard Upgrade. Dort kann man jetzt das Update ausführen.
  4. Nachdem der Updateprozess abgeschlossen ist, startet des Gerät neu.

Force Update Methode

Da es vorkommt das Updates nicht angenommen werden, kann man das Huawei Gerät mit der Force Update Methode, wie der Name schon so schön sagt, zwingen die Aktualisierung auszuführen.

  • Hierzu führt man je nach Datei (OTA oder Vollversion) Schritt 1. und Schritt 2. der jeweiligen oben stehenden Anleitung aus.
  • Anschließend schaltet man das Gerät aus und startet es durch Drücken und Halten der Tasten VOLUME UP, VOLUME DOWN und POWER bis der Upgrademodus startet.

Wie schon bei den „normalen“ Prozessen startet das Gerät nach einem erfolgreichen Update selbständig neu. Sollte es mit einer Fehlermeldung abbrechen, dann sind ein oder mehrere Restriktionen, die oben dargestellt sind nicht erfüllt.

Software Branding

Branding, leider auch in der heutigen Zeit noch ein weit verbreitetes Thema. Mit einem Branding verändern die Mobilanbieter (Provider) die ursprüngliche Herstellerfirmware um eigene Inhalte auf die Geräte zu bringen oder Funktionen einzuschränken. Begründet wird dies oft mit Kundenbindung. Ob das tatsächlich was bringt, lasse ich mal dahin gestellt.

Ein Problem, das sich im Zuge eines Branding immer wieder herausstellt, ist die Verfügbarkeit von Firmwareupdates für die Geräte. Daher wollen viele ihr subventioniertes Providergerät „Debranden“. Dieser Vorgang ist zwar bei Huawei Geräten manchmal einfach durch Flash einer freien Firmware möglich, aber nicht unbedingt empfehlenswert. Debranden hat nämlich einen entscheidenden Nachteil. Ohne sauberes Debranding landet man oftmals auf der generellen CUST C900, für die es oftmals keine weiteren Firmwareupdates gibt.

Für eine saubere CUST (Regions- / Provideranpassung) müssen viele manuelle Schritte auszuführen. Für die es notwendig ist den Bootloader zu entsperren und sich Root-Zugang am Gerät zu beschaffen. Da hier die Gefahr dass man aus seinem Gerät einen teuren Briefbeschwerer macht recht hoch ist, werden wir hierzu keine Anleitung geben.