Was gab es in den letzen Tagen und Wochen Berichte von einigen Medien, dass Huawei bald ohne Android auskommen muss, dass das drohende Embargo das Ende der Smartphone Sparte von Huawei sein wird und und und.

Ja, es gibt Bestrebungen seitens eines Donald Trump, aktueller Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dass man dem immer mächtiger werdenden Land der aufgehenden Sonne Einhalt gebieten muss. Wie macht man sowas am besten, wenn man es nicht militärisch lösen kann? Genau, man zettelt einen Handelskrieg an. Zuerst probiert man es über die WTO, indem man dort Klage gegen China, wegen “Verletzung geistigen Eigentums” einreicht. Da die Mühlen bei der WTO bekanntlich langsam mahlen, muss sich Mister Trump mal wieder mit einem Dekret aushelfen. So umgeht er erstmal das Parlament und kann sehr populistisch Entscheidungen erlassen. Im Falle von China, aber auch von anderen Ländern bzw. Wirtschaftverbunden wie der EU, erhebt man einfach Strafzölle.

Grundsätzlich ist der Waren- und Dienstleistungsverkehr frei, Länder können aber zum Schutz ihrer Wirtschaft Handelsbeschränkungen erlassen. Die höchste Form der Beschränkung ist ein Verbot in Form eines Embargos. Mit diesem Embargo schützt man sich sowohl bei Exporten, als auch bei Importen und auch im Bereich Finanzen. Ein klassisches Embargo ist das sog. Nordkorea-Embargo, mit dem sich die Mitglieder der Vereinten Nationen gegen eine nukleare Bedrohung des Kim Jong Un schützen und zugleich die massiven Menschenrechtsverletzungen in dem kommunistischen Land nicht auch noch unterstützen wollen. Hier werden nicht nur Warenbewegungen beschränkt oder sogar verboten, sondern auch Finanzierungen und Reisen von in diesem Embargo aufgelisteten Personen.

Einem Bericht der South China Morning Post zur Folge wurde gegen den chinesischen Smartphone Hersteller “ZTE” ein Exportverbot verhängt. Somit dürfen weder Waren noch Technologien  aus den USA oder von US-amerikanischen Firmen an die chinesische Firma geliefert werden. Dies schließe das Produkt “Android” des in Mountain View angesiedelten Konzerns “Alphabet” bzw. “Google” ein.

Ebenfalls aus diesem Bericht ging hervor, dass Huawei, um nicht in dasselbe Dilemma, wie ZTE zu kommen, an einem eigenen Betriebssystem namens “KirinOS” arbeite. Das ist allerdings ein alter Hut und nix neues, wie wir schon das erste mal 2015 berichteten (siehe hier und hier). Huawei hatte auch schon mit dem honor Magic probiert sich von Android zu lösen. Das sind also alles ganz normale Vorgänge und nichts besonderes. Auch Samsung bastelt an seinem eigenen Betriebssystem namens “Tizen” und auch Palm bzw. HP hatten es mit “webOS” probiert.

Im Zusammenhang mit dem “Handelskrieg” wird jetzt aber von einigen Medien Angst geschürt, die in meinen Augen unbegründet ist. Die USA würden sich ins eigene Fleisch schneiden, da der Gesamtwert der Handelsbeziehungen zwischen China und den USA im Jahr 2017 lt. Statistischem Bundesamt 636 Milliarden US-Dollar betrug. Sollte man das jetzt also bis zur höchsten Eskalationsstufe treiben und das wäre bei einem Total-Embargo gegenüber Huawei meines Erachtens auf jeden Falle gegeben, weil Huawei eben kein ZTE ist, sondern ein TOP Unternehmen in China und zugleich Aushängeschild, auf das man mächtig stolz ist, dann wären massive Einbußen der Wirtschaft in den USA zu befürchten und das kann sich auch ein Donald Trump nicht leisten. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist schon so hoch genug.

Was tun sprach Zeus? Genau, man macht was, um das Gesicht nicht zu verlieren und das schaut so aus, dass man ein paar Strafzölle erhebt, die einem nicht so weh tun, natürlich auch in bilateraler Hinsicht und dann verbietet man noch den Verkauf von Huawei Geräten auf US-Militärbasen. Oh wow! US Soldaten können sich also keine Geräte von Huawei und ZTE mehr direkt auf den Basen kaufen. Beamte des US-Verteidigungsministeriums befürchten, Beijing könnte Herstellern befehlen, sich in Produkte einzumischen, die sie zum Ausspähen oder zur Sperrung der Kommunikation herstellen.

Man braucht also jetzt keine Angst haben, dass Huawei bald ohne Android auskommen muss. Auch bei Huawei selbst plant man konkret nicht, auf KirinOS umzusteigen. Google ist glaube ich ganz froh, dass man mit Huawei einen starken und vertrauenswürdigen Partner in China besitzt, das zeigen auch die Auftritte von hochrangigen Google Managern auf diversen Huawei Veranstaltungen in der Vergangenheit.

Okay, da hab ich dann zum Schluß noch ein paar Schlagzeilen aus den vergangenen Jahren hinsichtlich von Sicherheitsbedenken:

  • NSA horcht Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ab
  • NSA und weitere Geheimdienste überwachen die weltweite Kommunikation massiv und anlasslos
  • Whistleblower Edward Snowden
  • Ausspähen unter Freunden
  • Facebook Datenskandal
  • Chelsea (Bradley) Manning

Die lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert und komme zu meiner Überschrift zurück und somit zum Fazit:

Solange ein US-Präsident, der die meiste Zeit über Twitter kommuniziert, mit Dekreten nur so um sich wirft, da er sich mMn nicht anders behelfen kann, solange nicht vor der eigenen Haustür gekehrt wird, was die vergangenen Datenschutzaffären deutlich aufzeigen und solange zwar mit dem Säbeln gerasselt wird, aber nix passiert, nenne ich das Kindergarten.

Wie seht ihr das?

Teilen:

Über den Autor

Rainer Fürst

Inhaber. Gründer. Blogger. technikaffin. fair. offen. kritisch. Vater von zwei wunderbaren Mädels. Leidender 60er Fan. Unambitionierter Rennradfahrer. Früherer Fitness Boxer.

4 Kommentare

  1. Gollum veröffentlicht am

    Jeder Arschloch, egal Chinese, Deutsche oder Amerikaner, der ein Diktator Regime bei Unterdrückung des Volkes hilft, muss eines Tages dafür bezahlen.
    ZTE und Huawei haben die Mullas im Iran beim spionieren des Volkes geholfen und leider es ist wahr. Dafür müssen sie auch bezahlen.

  2. Tigra Watanabe veröffentlicht am

    “Im Falle von China, aber auch von anderen Ländern bzw. Wirtschaftverbunden wie der EU, erhebt man einfach Strafzölle.”

    Wenn sich das nicht wieder geändert hat, dann war die EU ausgeschlossen.

Hinterlasse einen Kommentar

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere