Wir hatten letztes Jahr schon etwas zum KirinOS geschrieben. Ebenfalls letztes Jahr gab es bei uns die Meldung, dass Abigail S. Brody von Apple zu Huawei gewechselt ist. Gestern vermeldeten wir noch die frohe Kunde, dass EMUI 5.0 auf dem Weg ist und heute ergeben diese Meldungen einen Zusammenhang.

Huawei möchte sich, genauso wie übrigens Samsung mit TizenOS, aus dem Abhängigkeits-Schraubstock der Datenkrake Google mit seinem Betriebssystem Android lösen. Dazu entwickelt man mit Hilfe von eben oben genannter Dame alternative Lösungen, wie The Information berichtet.

Einerseits halte ich das für unabdingbar, denn man kann nie wissen, in welche Richtung sich Android weiterentwickelt. Irgendwann kommen die Jungs und Mädels aus Mountain View vielleicht auf die Idee, dass man Android nur noch auf den eigenen Devices nutzen darf/kann, wenn man Vorgabe X erfüllt. Für X können viele Dinge stehen, ich denke da an solche wie den Datenschutz, monetäre Leistungen, oder vlt. auch Einschränkungen was das Einbinden von herstellereigenen Apps betrifft.

Andererseits habe ich auch leider schon viele Betriebssysteme scheitern sehen. Ich selbst war ein großer Fan von webOS, das von Palm entwickelt und von HP (Hewlett Packard) gekauft wurde. Das System hätte funktioniert, wenn von Anfang an genügend Apps (vor allem funktionierende und kompatible) zur Verfügung gestanden hätten. Stand heute wird es auf LG Fernsehern als Betriebssystem genutzt, sprich hat sich eben nicht gegen Android bzw. iOS durchgesetzt.

Momentan gibt es meiner Meinung nach nur schwarz oder weiß bei den Betriebssystemen für Smartphones bzw. Tablets. Entweder man hat ein Gerät von Apple und somit iOS, oder man hat ein Gerät mit Android. Alles andere wie FirefoxOS, SailfishOS, bada, Tizen, Ubuntu, BlackBerry OS oder Windows Phone (ja ok, da lehn ich mich jetzt weit aus dem Fenster), kann man getrost unter “ferner liefen” setzen.

KirinOS, oder wie es auch immer heißen wird, steckt natürlich noch in den Kinderschuhen, aber wie wir Huawei inzwischen kennengelernt haben: Wenn sie sich was in den Kopf setzen, dann ziehen sie das auch durch und meistens gut. Die Chinesen mögen Android, aber genauso gern haben sie auch iOS. Was wäre also naheliegender, als die besten Eigenschaften von beiden in ein eigenes Betriebssystem zu stecken?

Huawei hört immer genau hin und hat einen Sinn für die Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche seiner Kunden. Ich glaube, wenn es ein Hersteller schafft ein eigenes mobiles Betriebssystem zu etablieren, dann ist es Huawei. Gemeinsam mit der Tochtermarke honor verkauft das Unternehmen aus Shenzhen am meisten Smartphones auf dem chinesischen Markt. Wahrscheinlich werden sie, sofern das eigenen Betriebssystem kommt, dieses erst mal auf dem chinesischen Markt testen und wenn es sich dort etabliert hat, könnte ich mir vorstellen, dass im Anschluß die ganze Welt in den Genuß von KirinOS kommen wird.

Was meint ihr? Gute Idee, oder das nächste Unternehmen, dass sich an Google und Apple die Zähne ausbeißt?

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Über den Autor

Rainer Fürst

Inhaber. Gründer. Blogger. technikaffin. fair. offen. kritisch. Vater von zwei wunderbaren Mädels. Leidender 60er Fan. Unambitionierter Rennradfahrer. Früherer Fitness Boxer.

12 Kommentare

  1. Ivo veröffentlicht am

    Wie man bei Microsoft sieht, ist ein breites, wachendes App-Angebot das A und O bei Betriebssystemen.
    Wenn die Entwickler sich mit mehr als zwei Versionen beschäftigen müssen, ist es schon fast erledigt.
    Es würde mich freuen (ich war kurz davor von iOS auf Windows zu wechseln), wenn es mal wieder Konkurrenz auf dem Markt gäbe.
    Aktuell werfe ich mal wieder einen Blick Richtung Android (natürlich Huawei), da nun s/mime, CardDav und CalDav gescheit nutzbar sind (wenn auch nur über kostenpflichtige App, das ist es mir aber Wert!).

    Warten wir mal ab was so passiert.

  2. Marco Brandt veröffentlicht am

    Auch hier steht und fallt die Sache wahrscheinlich mit der Verfügbarkeit der Apps. Allerdings halte ich es für Grundsätzlich nicht verkehrt eine ‘Plan-B’ für die Zukunft zu haben. Wie sich Android weiterentwickelt kann keiner voraus sagen, da ist es sicher nicht verkehrt, wenn man sich als Hersteller nicht alles von Google gefallen lassen muss.
    Time will tell…

  3. Ronny veröffentlicht am

    Grundsätzlich finde ich die Idee nicht schlecht. ich könnte mir auch vorstellen Geräte mit zwei Betriebssystemen. Wichtig ist das bei einem neuen OS wie bereits hier geschrieben das von Anfang an genug Apps zur Verfügung stehen….. Ich bin gespannt was Huawei uns noch so präsentiert, erstmal bin ich vor allem auf EMUI 5.0 gespannt.

    • Stephan veröffentlicht am

      Warum?

      Wegen dem eventuell fehleden App Angebot?

      Nenn doch bitte paar Gründe für Deine Aussage.

  4. Roggo veröffentlicht am

    das macht keinen Sinn, die beiden Platzhirsche haben mittlerweile eine so hohe Marktdurchdringung, dass ich als App Programmierer auch nur noch die beiden Stores brauche, um meine Schäfchen ins trockene zu bringen.

    • Stephan veröffentlicht am

      Du meinst die beiden Betriebssysteme und nicht Stores, oder?

      Weil Huawei hat ja auch einen eigenen Store mit Android Apps.
      Amazon Store nicht zu vergessen.

  5. Jenne veröffentlicht am

    Ich finde den Weg von Huawei und auch Samsung ein eigenes OS zu entwickeln oder im Falle Tizen OS weiterzuentwickeln richtig!
    Die Gründe sind vielfältig und vielleicht lernen die OS Newcomer ja aus dem ein oder anderen Fehler der etablierten Anbieter?!

    Und was die Apps angeht, ist es nicht so das zumindest Tizen voll Android App kompatibel ist?!

  6. Rfx veröffentlicht am

    Der richtige Schritt der Hersteller wäre es einen App-APi standard zu definieren (wie OpenGL oder Vulkan).dann können Programmierer dagegen entwickeln und das OS muss dann nicht von Google stammen.
    Sobald die apps für kirinOs separat entwickelt oder angepasst werden muss,kann man kirin oder auch tizen abschreiben.

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