2018 war das Jahr der DSGVO und das Thema Datenschutz tritt im Zusammenhang mit dem Internet immer mehr in den Vordergrund. Wer Privates privat halten möchte, kann Geld für Apps oder Cloud Dienste ausgeben – oder man verwendet die bereits vorhandene PrivateSpace Funktion von HUAWEI.

Was PrivateSpace ist und was es kann, beschreibe ich euch in diesem Tipps & Tricks Artikel. Ihr wollt weiterhin spannende und interessante Artikel aus diesem “Genre”? Schreibt uns gerne eure Meinung in die Kommentare. Doch nun, los geht’s!

Was ist Private Space?

Das Feature Private Space wurde erstmals mit Android 8 / EMUI 8 eingeführt und erweitert das Smartphone mit einer zweiten unabhängigen Umgebung. Man bekommt quasi ein Smartphone im Smartphone. Klingt unlogisch? Eigentlich nicht.

Wer sich mit der IT-Welt öfter beschäftigt kennt sicherlich bereits die Begriffe virtuelle Umgebungen oder Docker Container. Beide Technologien haben das gleiche Ziel. Sie bieten die Möglichkeit, auf einem Computer verschiedene Betriebssysteme bzw. Anwendungen in isolierten Bereichen auszuführen.

Auf diese Art und Weise funktioniert auch PrivateSpace. Auf dem bestehenden Smartphone wird eine neue isolierte Umgebung erstellt, sodass der Nutzer ein zweites und gleichzeitig unabhängiges Android System auf seinem Smartphone erhält.

Ist es denn ein komplett isoliertes System? Nicht ganz – einige Einstellungen und Bereiche werden noch immer gemeinsam genutzt. Hierzu gehören:

  • WLAN Verbindungen
  • Bluetooth
  • Telefon (Anrufe, Anrufverlauf)
  • SMS

Aber genug “Theorie” – kommen wir zur Einrichtung und meiner Praxiserfahrung.

Einrichtung des PrivateSpace

Eins vorab, nicht jedes Gerät unterstützt PrivateSpace. Es gibt zwar keine offizielle Liste von HUAWEI, dennoch vermuten wir die Unterstützung lediglich bei High End Geräten. In unserem Test hat sich ergeben, dass lite Modelle diese Funktion auf keinen Fall anbieten. Daher werden wir HUAWEI kontaktieren und ein Update schreiben, sobald wir eine Info erhalten.

Unter Einstellungen -> Datenschutz -> PrivateSpace könnt ihr das Feature aktivieren. Bevor ihr loslegt, solltet ihr euch Gedanken machen wie ihr auf euren PrivateSpace zugreifen möchtet. Ein eigener PIN ist Pflicht, die Nutzung eines separaten Fingerabdrucks ist optional.

Nachdem die PIN bzw. der Fingerabdruck eingerichtet ist, wird innerhalb Sekunden der PrivateSpace erstellt und ihr gelangt direkt in die neue Oberfläche. Der erste Eindruck wirkt, als hätte ich mein Smartphone zurückgesetzt bzw. neu gekauft und erstmals in Betrieb genommen. Was ich eigentlich sagen möchte: Der PrivateSpace übernimmt sichtbar nichts aus dem Hauptspeicher (MainSpace) – weder Apps noch Einstellungen!

MainSpace
PrivateSpace

Genau so sollte es sein. Jedoch ist es anfangs eine kleine Umstellung, denn zuvor gewohnte Einstellungen müssen ebenfalls neu übernommen werden. Meine geliebte Gestensteuerung ist deaktiviert, meine Tastatur ist nicht wie zuvor eingestellt und viele weitere Punkte sind mir nach der Zeit aufgefallen. Hier würde ich es als angenehmer empfinden, wenn es nach der Erstellung die Möglichkeit gibt, vorher bestehende Grundeinstellungen zu übernehmen.

MainSpace? Da wir mit dem PrivateSpace zwei Systeme haben, wird das Hauptsystem MainSpace genannt und das neu erstellte Zweitsystem eben PrivateSpace. Man könnte vereinfacht auch Datenspeicher A und B sagen.

Anwendungsszenarien

In meiner Testphase konnte ich mir den ein oder anderen Einblick verschaffen und auch herausfinden für wen die Funktion interessant sein könnte.

An erster Stelle steht hier sicherlich das klassische Beispiel der Geschäftsleute, die ihr Smartphone geschäftlich und privat benutzen wollen anstatt zwei unterschiedliche Geräte zu verwenden. Die Vorteile sind klar – durch den PrivateSpace man bekommt seine zwei Welten sauber getrennt und kann geschäftliche Daten von den privaten trennen. Außerdem spricht die Dual Sim Möglichkeit bei HUAWEI zusätzlich dafür, das Vorhaben in die Realität umzusetzen.

Wenn wir gerade im geschäftlichen Bereich sind, ist der PrivateSpace bis zu einem bestimmten Punkt DSGVO freundlich. Es ist zwar möglich seine geschäftlichen Kontakte und E-Mails in einer isolierten Umgebung zu schützen, Telefonverläufe oder SMS Nachrichten können allerdings nicht isoliert werden. Inwiefern dies DSGVO konform ist, werden wir für euch nochmals prüfen und hierzu ein Update geben.

Doch welcher Privatnutzer möchte einen solchen PrivateSpace nutzen und welche Gründe gibt es hierfür?
Es gibt bestimmt Menschen, die das ein oder andere lieber für sich behalten oder wichtige Funktionen wie Online Banking getrennt haben wollen. Hier wäre die PrivateSpace eine gute Lösung. Auch können Hobbys oder Freizeitbeschäftigungen nochmals von der eigenen Privatsphäre getrennt werden – ein Beispiel wären Vorstandsmitglieder in Vereinen oder gar Blogger bzw. YouTuber.

Wer einen Schritt weiter gehen möchte und das Zweitsystem komplett verschleiern möchte, kann dies in den Einstellungen (im PrivateSpace) konfigurieren. So kann anschließend nur die Person, die den PIN kennt oder über den Fingerabdruck eingespeichert wurde, auf den PrivateSpace zugreifen und Einsicht erhalten.

Eltern könnten auf diese Art und Weise für ihre Kinder eine Umgebung anbieten, welche lediglich kindergeeignete Apps beinhaltet. Oder sollte es wirklich einen Fall von Smartphone Sharing (#JustSaying) geben, kann jeder auf sein eigenes “Smartphone” zugreifen.

Seit Android 5.0 gibt es auch die Möglichkeit, Apps zu “pinnen”. Dies bedeutet, eine App im Vordergrund zu fixieren und weitere Funktionen (bspw. App Wechsel oder Home) zu deaktivieren. Dies ist einerseits von Vorteil, wenn man sein Gerät aus der Hand gibt und einen Zugriff auf andere Apps unterbinden möchte.
Man könnte diesen Gedanke etwas erweitern und so z.B. Musik Dienste oder Photos für die Öffentlichkeit im PrivateSpace zur Verfügung stellen. Auch könnte man Smart Home Steuerungen fixieren und in einer eigenen Umgebung betreiben.

Als Blogger habe ich die Funktion lieben gelernt. Ich bekomme die Möglichkeit, Screenshots oder Videos für Artikel in einer saubereren Installation aufzunehmen. Dies nimmt ein wenig die Angst, ausversehen private Inhalte zu veröffentlichen. Doch man muss nicht zwingend Blogger sein, um davon zu profitieren. Wer einfach etwas in einer Art Sandbox (Testumgebung) ausprobieren möchte, wird sich über die PrivateSpace Funktion sicherlich freuen.

Solltet ihr noch Ideen haben, schreibt es gerne in die Kommentare hier oder im HUAWEI Forum auf Facebook.

Alltagstest PrivateSpace

Ich habe dieses Feature genau unter die Lupe genommen und konnte das ein oder andere in Erfahrung bringen. Im Test habe ich mich dazu entschieden, neben dem PIN, meine Finger an der linken Hand für den MainSpace und die an der rechten Hand für den PrivateSpace zu nutzen.

Anfangs war es eine Umstellung, aber nach nur wenigen Tagen gewöhnt man sich daran. Eine Sache, welche mir direkt ins Auge fiel, ist das Wechseln zwischen Privat und MainSpace. Dies arbeitet nicht immer flüssig und dauert gerne ein bis zwei Sekunden – definitiv spürbar.

Sind auf beiden Systemen Apps installiert, welche Push Benachrichtigungen senden, merkt man schnell: beide können/sollen(?) nicht parallel laufen. Es wird immer der nicht genutzte Space abgeschaltet bzw. eingefroren. Schickt man jemanden beispielsweise eine WhatsApp Nachricht, sieht es für den Absender so aus, als wäre das Smartphone ausgeschaltet. Praktisch, um auch im Urlaub nicht ungewollt gestört zu werden!

Wer es akzeptieren kann, hin und her zu wechseln um auf den aktuellen Stand zu bleiben, dem wird das einfrieren nicht stören. Mich hat der ein oder andere Punkt dann doch etwas gestört. Anfangs wollte ich meine geschäftlichen E-Mails und Kontakte in dem PrivateSpace abspeichern. Als ich merkte, dass ich keine Benachrichtigung über neue E-Mails erhielt, habe ich wieder alles in dem MainSpace abgespeichert. Grund hierfür ist, dass ich auch außerhalb der Geschäftszeiten erreichbar sein muss.

Auch war mir der Transfer von Daten/Bilder zwischen den Systemen persönlich etwas zu umständlich. Wer Daten austauschen möchte, muss über die Einstellungen des PrivateSpaces arbeiten. Ich bin es gewohnt meine Inhalte über die Teilen Funktion zu versenden. Dennoch kann ich aufgrund der gemeinsamen Komponenten weder über Bluetooth, Huawei Beam oder Huawei Share Dateien austauschen.

Der größte Feind des PrivateSpaces kommt jedoch noch. Wer sein Gerät mit Hilfe des schnellen Face Unlocks entsperrt, wird immer etwas umdisponieren müssen. Die einzige Möglichkeit für mich in den PrivateSpace zu gelangen, ist der Weg über den Fingerabdruck oder PIN. Das Display einfach nur einzuschalten und einen PIN einzugeben funktionierte nicht – denn dafür erkennt das Gerät mein Gesicht zu schnell.

Fazit

Ist PrivateSpace ein zukunftssicheres Feature? Wer kann davon profitieren?

Der PrivateSpace wurde im Rahmen und auf Basis von Android Enterprise für Geschäftsleute erschaffen, jedoch kann jeder mit etwas Kreativität Nutzen von dieser Funktion ziehen. Ich habe bereits mehrere Beispiele genannt und es wird noch weit aus mehrere Szenarien für ein Pro-PrivateSpace geben.

Technisch gesehen funktioniert alles sehr stabil, natürlich braucht der Wechsel zwischen Spaces ein paar Sekunden. Ein Punkt der sich in Zukunft sicherlich optimieren lässt.

Viel kritischer ist für mich das Thema rund um Entsperrung und Auswahl des richtigen Systems. Einen zweiten PIN oder bestimmte Finger zum entsperren ist eine leichte Sache bzw. reine Gewohnheit. Das Problem mit der Gesichtentsperrung ist in meinem Alltag hingegen ein großer Dorn im Auge. Hier ist der Zugang in den PrivateSpace lediglich über Fingerabdruck oder über die Einstellungen möglich. Entweder hofft man hier auf eine Lösung seitens Hersteller oder man gewöhnt sich bestenfalls an eine Nutzung ohne Gesichtserkennung. Es sei denn, ihr wollte bei jedem Zugang in den PrivateSpace das Smartphone von eurem Gesicht verdeckt positionieren.

Ein weiterer Punkt ist der Transfer von Daten zwischen den jeweiligen Spaces. Dass die Möglichkeit nur in dem PrivateSpace vorhanden ist, ist für mich weniger das Problem. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass man nur über die Systemeinstellungen die Optionen angezeigt bekommt und nicht zusätzlich über die Teilen Funktion.

Auch die Einrichtung könnte etwas optimierter sein. Nach der Erstellung sollte die Möglichkeit auf eine Übernahme der Grundeinstellungen verfügbar sein.

Aus sowohl Datenschutz- als auch Akku Gründen wird vermutlich auf den parallel Betrieb beider Spaces verzichtet. Dadurch fehlt die Möglichkeit, von beiden Systemen gleichzeitig die Benachrichtigungen in Echtzeit zu erhalten. Dieser Punkt ist meiner Meinung nach dennoch etwas gespalten.
Sicherlich wird es Personen geben, die genau so eine “Ausschalt”-Funktion wollen. Dennoch könnte der Hersteller standardmäßig beide Spaces parallel laufen lassen und einen Energiespar- oder Ruhe Modus anbieten, der nur das aktive System weiter betreibt.
Dadurch wäre es auch sicherlich machbar, seine SIM Karten auf die Spaces aufzuteilen. Ein Feature, welches mir persönlich für die komplette Trennung der Spaces fehlt.

Zum Schluss bleibt eine wichtige Funktion, die zwar selten benötigt wird, mir persönlich aber am besten gefällt. Da der PrivateSpace nicht an das Smartphone gebunden ist, besteht die Möglichkeit, diesen auf andere Smartphones umzuziehen. Dadurch spart man sich die ständige Neueinrichtung.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich das Feature nun nutze, um Material für den Blog zu erstellen oder um diverse Apps isoliert von meinem Alltag zu testen.

Das System ist nach aktuellem Stand sicherlich nicht perfekt. Einiges müsste optimiert werden, damit das Feature richtig Spaß macht – so z.B. der parallele Betrieb beider Systeme. Viele gute Ansätze sind bereits da, welche einfach verbessert werden müssten und somit mehr Produktivität bieten könnten.
Es bleibt spannend zu sehen, ob der Hersteller in diesem Bereich weiterentwickeln wird. Vorallem Firmen sind daran interessiert, eine kostengünstige Lösung mit Privat- und Geschäftsnutzung zu ermöglichen, aber auch jeder andere kann die Funktion für sich entdecken.

Aber wie ist eure Meinung in Bezug auf PrivateSpace? Nutzt ihr die Funktion schon länger oder konnte unser Beitrag euch dazu animieren, es zu testen? Schreibt uns einen Kommentar.

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Über den Autor

Dominik Ramb

23, Informatiker, technikbegeisterter Blogger, Tüftler und mittlerweile Rennfahrer in Vorruhestand.

8 Kommentare

  1. Avatar
    Thbratwurst veröffentlicht am

    Ich hab es selber getestet und immer noch im Test auf den p30 pro. Vielleicht gehe ich da mit anderen Gesichtspunkten ran, für mich war es von vorn Herein ein zweiter User Account, was so nicht ganz meiner Denkweise enzspricht. Da ich Linux und BSD als ununix Systeme verwende dachte ich es wäre ähnlich das ich einen Super User habe mit der ersteinrichtung und das private Space einen Nutzer mit eingeschränkten Rechten abbildet, das ist es nun nicht. Wäre für mich aber besser dann könnte der Superuser Installierte Software teilen oder die rechte des privat Space Nutzers verwalten .würde ich effektiver finden und logischer Mal Huawei fragen?

  2. Avatar
    Volker veröffentlicht am

    Hallo
    Mate 20 lite muss der interne Speicher aktiviert sein.Bei Speicherkarte nicht möglich.Tschö

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