Huawei PegasusSo titelt zumindest eine zweiseitige Schlagzeile im aktuellen Focus. Der Artikel beschreibt den rasanten Aufstieg Huawei’s in der Welt der Smartphones. Wie wir bereits in einem Artikel vom Dezember 2012 berichtet haben strebt Huawei den Hersteller Thron an.

Den letzten Quartalszahlen des vierten Quartals 2013 zufolge ist Huawei auf einem guten dritten Platz bei den Marktanteilen der Smartphone-Anbieter:

  1. Samsung – 29,5 %
  2. Apple – 17,8 %
  3. Huawei – 5,7 %
  4. lenovo – 4,8 %
  5. LG Electronics – 4,5 %

Huawei will den Umsatz bis 2020 auf 100 Milliarden Dollar steigern und somit zur „weltweit führenden Marke bei Smartphones“ werden. So die Prognose und natürlich auch ein wenig Wunschdenken von Huawei und dessen Köpfen Richard Yu, Lars-Christian Weisswange und Ren Zhengfei.

Zuzutrauen ist es der Firma aus Shenzen allemal, sofern sie es schafft einen Konsens beim Image, der Firmenkultur und der Mentalität einzugehen.

Image

Im Vergleich zu Apple und Samsung kosten deren Smartphones rund 40% weniger. Einzig entscheidend wird sein, dass Huawei aus der Schublade der „Billigheimer“ rauskommen kann. Momentan assoziieren wohl die meisten Handy User die Marke „Huawei“ mit „billig aus China“, oder „Huawei? Noch nie gehört!“.

Laut dem Focus wird der Imagewandel sehr schwer werden, da Huawei nur soviel in Werbung investiert, wie aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren sei.

Ebenso spielt der „Coolness-Faktor“ eine nicht minder große Rolle. Mit einem iPhone ist man „hipp“, mit einem Nexus hat man immer die aktuellste Android-Version und mit Samsung kann man eigentlich nichts falsch machen, weil ja so ziemlich alle ein Gerät der Südkoreaner ihr eigen nennen.

FirmenkulturHuawei Fassade

Des Weiteren, wie man dem Artikel des Focus entnehmen kann, hat Huawei wohl auch eine „sehr besondere Firmenkultur“, die wir vom Huaweiblog auch schon am eigenen Leibe erfahren durften (vgl. „in eigener Sache“). Im Unternehmen sind fast ausschließlich Chinesen in Führungspostionen. Der Firmengründer Ren Zhengfei soll den Ruf inne haben von seinen Managern einen besonders hohen Einsatz zu verlangen, so dass westliche Konzernkenner meinen, dass dies schon sektenhafte Züge annehme.

Deutschland Manager Weisswange meinte dazu zu Focus: „Die Struktur von Huawei kann man mit jener der katholischen Kirche vergleichen.“ Ob das nun gut oder schlecht ist muss jeder für sich selber entscheiden.

Mentalität

China

Es könnte für Huawei nach hinten los gehen, wenn man sich nicht der westlichen Kultur öffnet und die chinesische Mentalität auf Biegen und Brechen in der ganzen Welt anbringen will. Natürlich ist China mit über 1,3 Milliarden Einwohner das bevölkerungsreichste Land der Welt und somit natürlich auch das Land mit dem potentiell größten Absatzmarkt für Smartphones. Aber man bedenke, dass es auch noch ca. 6 Milliarden weitere Menschen auf unserem Planeten gibt und wenn man als „Welt Eroberer“ gelten will, dann kann man diese Menschen einfach nicht ignorieren.

Zum Thema „Chinesische Mentalität“ habe ich hier einen schönen Beitrag gefunden:

Alles ist kompliziert

…, dass in China alles kompliziert zu sein scheint. Egal, ob man ein Hostel-Bett buchen will, im Restaurant etwas bestellen will oder mit dem Taxi fahren will, die Standardantwort lautet oft “mei you” (frei übersetzt: Gibts nicht). Man kann über die Gründe und Ursachen dafür sicherlich diskutieren.

… dass es damit zusammenhängt, dass viele Chinesen im Umgang mit Ausländern Angst haben, etwas falsch zu machen. Wer etwas falsch macht, gilt in der chinesischen Mentalität als Versager und daher macht man lieber gar nichts und sagt es ist nicht möglich.

… Grundsätzlich sollte man sich im Klaren darüber sein, dass die Behauptung etwas ist nicht möglich, nicht viel wert ist. Wer sich direkt abwimmeln lässt und jede Aussage für bare Münze nimmt, wird in China so manche Enttäuschung erleben. Aber auch wenn man direkt ausrastet und laut wird, tut man sich keinen Gefallen. Ausrasten bedeutet in den chinesischen Mentalität Gesichtsverlust für beide Parteien und der Gegenüber wird einen dafür hassen. Am besten fährt man, wenn man ruhig und freundlich aber beharrlich bleibt und deutlich macht, dass man nicht eher gehen wird, bis der eigene Wunsch erfüllt ist. Im Einzelfall muss man natürlich entscheiden, wie viel Geduld einem sein Anliegen wert ist…

Dass Erfolg auch in der westlichen Hemisphäre möglich ist haben ja schon genügend ostasiatische Firmen bewiesen. Ein Artikel der BPB beschreibt das „Erfolgsrezept“ ganz gut:

Für den Umgang (als Tourist, Manager oder Politiker) mit chinesischen Menschen ist zunächst und vor allem gute Erziehung (die uns ohnehin für unvertrautes Verhalten und Umgangsformen sensibilisieren können sollte) notwendig, ferner Bewusstheit über die eigenen Ziele: Die Erfolge von Sony (oder irgendeines anderen ostasiatischen Unternehmens) erklären nicht damit, dass die japanischen Manager bei uns in Lederhosen herumlaufen, ausgefuchste Kenner des Nibelungen-Liedes sind, über die Winkelzüge der Bismarckschen Politik Bescheid wissen, die Wertvorstellungen des christlichen Abendlandes studiert haben, ständig geradeheraus die Wahrheit sagen und unverblümt auf den Tisch hauend zur Sache kommen (weil das angeblich deutsche Art ist); vielmehr haben die Leute in der Chefetage gute Umgangsformen, spezielle Schulungen für Verhandlungs- und Konfliktmanagement und kalkulieren nach den Gesetzen des Marktes.

Wir sind auf jeden Fall zuversichtlich und werden über Huawei weiterhin als Fan Blog aus einem objektivem Blickwinkel berichten.

Quellenangaben: FOCUS Nr. 08/14, Bundeszentrale für politische Bildung, Blog – Die Transsibirische Eisenbahn – Reisen durch Russland, die Mongolei und China
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Inhaber. Gründer. Blogger. technikaffin. fair. offen. kritisch. Vater von zwei wunderbaren Mädels. Leidender 60er Fan. Unambitionierter Rennradfahrer. Fitness Boxer.

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