Hello from the other side: AllAboutSamsung und das Mate 20 Pro.
Moin, ich bin’s, der Lars von AllAboutSamsung und trotzdem darf ich euch jetzt ein paar Gedanken über das Mate 20 Pro hier beim Huawei.blog liefern.

Die Technikbranche ist eine relativ kleine Gruppe, man kennt sich und seit Jahren komme ich daher auch sehr gut mit Huawei aus. Auch, da ich für CubeTube seit Jahren auch immer mal wieder mit Huawei über die neuesten Geräte quatschen darf. Dieses Jahr war ich sowohl für das P20 Pro in Paris, als auch für das Mate 20 Pro in London und daher gibt es jetzt ein paar Takte über das Mate 20 Pro aus Sicht eines Samsung-Nutzers. Vielleicht mit einer kleinen Überraschung am Schluss.

Vorab: ich würde mich nicht als Samsung-Fan bezeichnen, ich habe zig Smartphones Zuhause und habe eigentlich Smartphones aller Hersteller inzwischen durch. Außer Sony, die blockiere ich seit Jahren, da sie die Kamera-Software wie kein Zweiter versemmeln, obwohl sie die Sensoren für fast die gesamte Branche herstellen. Für AllAboutSamsung ist es zwar naheliegend, aber nicht zwingend, dass ich ein Samsung-Smartphone nutze – das habe ich tatsächlich auch seit sieben Jahren oder so mit nur kürzesten Unterbrechungen mal für das iPhone X oder so.

Das Design

Das Mate 20 Pro durfte ich mir mit CubeTube noch vor der Präsentation anschauen und der erste Eindruck war klar: ein nettes Galaxy S9+, was Huawei da vorstellt. Ich kam in den Raum, auf dem Tisch lagen einige Mate 20 Pro im StandBy und gerade ausgeschaltet sehen sich die beiden Geräte extrem ähnlich. Haters gonna hate, aber hier hat Huawei etwas abgekupfert. Gewölbtes Glas und eine sehr ähnliche Form auf der Front – ich konnte die Geräte auf den ersten Blick nicht auseinanderhalten.

Versteht mich nicht falsch, überhaupt nicht negativ gemeint – Samsung hat in meinen Augen mit dem S8 ein sehr modernes Design auf die Beine gestellt und wenn man das nun übernimmt habe ich damit kein Problem.

Auf der Rückseite ist die Nummer ohnehin eine andere.  Auf Fotos vor der Präsentation fand ich die Rückseite des Mate 20 Pro hässlich. Das ging mir auch bei der horizontalen Kamera des Note8/Note9 ähnlich, bei der rundgelutschten Optik der S8-Rückseite oder dem Fingerabdrucksensor des Note9. Rückseiten sind irgendwie wie Auto-Designs: am Anfang pottenhässlich, dann gewöhnt man sich daran und dann kommt irgendwann der Moment „hey, gar nicht so übel“. Beim Mate 20 Pro kam der Moment sehr zügig, denn die Rückseite finde ich spätestens live schon echt dufte. Quadratisch, mittig, praktisch, gut. Dazu kommt, dass ich gewölbtes Glas auf Front- und Rückseite seit dem S8 einfach mag: eine dünne Seitenlinie, ergonomisch in der Hand – top. Ach und Twilight machen nicht umsonst inzwischen mehr Hersteller nach, Huawei hat hier den Nerv der Zeit getroffen.

Huawei Mate 20 Pro Farben

Das Display

Schaltet man das Mate 20 Pro ein, ist der „rip-off“ Gedanke zum S9+ weg. Thema Notch. Ich weiß, die mag nicht jeder, aber auch hier hatte ich meinen „Auto-Design-Moment“ und finde eine Notch nicht mehr so hässlich. Klar, das polarisiert und sobald eine Notch im Spiel ist, gibt es quasi als Auto-Reply irgendjemand, der komplett unreflektiert seine eigene Meinung „HÄSSLICH“ als unumstößliches Axiom des Smartphone-Designs postuliert, aber so übel finde ich es nicht mehr. Wer will kann die Notch ausblenden, indem der Hintergrund hier schwarz hinterlegt wird, aber das brauche ich gar nicht.

Huawei Mate 20 Pro Test 3D Face Unlock

Und generell zum Display: ohne die Gerüchte, dass es von BOEund LG hergestellt wird, hätte ich auf ein Samsung-Panel getippt. Das Display ist top (sofern es von BOE hergestellt wird, bei LG scheint es einzelne Probleme zugeben). Kudos an Huawei, dass es keine Probleme mit versehentlicher Eingabeüber die Edge gibt – das hatte Samsung beim S6 edge, Huawei hat hier aus Problemen der Konkurrenz gelernt.

Die Kamera

Ich schreibe hier gerade beim Huawei.blog das Internet voll, daher eine kleine Info: Samsung hat das Galaxy S9 mit dem Slogan „the camera reimagined“ vorgestellt. Der Clou: eine variable Offenblende. Was ich im Alltag kaum bemerken konnte. Stattdessen hat Huawei für mich 2018 die komplette Konkurrenz bei Kameras vernascht. Google kann gut mit der Software einiges ausgleichen, Huawei hat dagegen 2018 mit dem 40MP-Monster und einem sehr gelungenen Zoom tatsächlich etwas Neues vorgestellt. Gut, 40MP hatte Nokia beim Lumia 1020, aber langsamer und längst nicht immer alltagstauglich. Einen Zoom hatte Samsung schon in einer Kamera mit Telefonfunktion (Galaxy S4 Zoom). Aber beim P20 Pro wurde beides so massentauglich – viel, viel besser. Mit dem Mate 20 Pro kommt nun noch der Weitwinkel statt einer Monochrom-Kamera hinzu. Die Nachteile sind minimal, Weitwinkel dagegen extrem praktisch.

Huawei Mate 20 Pro Midnight Blue

Die AI finde ich meistens praktisch, ein paar Nachteile bei der Kamera gibt es dennoch: auf Weitwinkel stellen ist nicht nahtlos flüssig. Wenn ich in der Automatik auf Weitwinkel wechsel und dann auf Nachtmodus stelle, wechselt die Kamera wieder auf die Hauptkamera ohne Ultraweitwinkel. Die Videoqualität hat kein 60fps bei 4k und ist noch immer nicht auf dem Niveau des S9+ oder Note 9 (oder iPhone Xs). Aber: mir wumpe, der Nachtmodus UND Weitwinkel in Verbindung mit der sonstigen Kamera überwiegen hier die Nachteile für mich.

Der Akku

4.200 mAh. Das sind ja nur 200 mAh mehr als beim Note 9. Oder P20 Pro. Oder „nur“ 700 mAh und somit 20 Prozent mehr als beim S9+, das kann ja gar nicht so viel bringen, richtig? FALSCH. Der Akku ist ein MONSTER. In acht Jahren Bloggerei gab es noch nie ein Smartphone, bei dem ich derart wenig Akkusorgen hatte. Selbst ich schaffe es an Tagen mit quasi Dauernutzung nicht den Akku leer zu bekommen. Über sieben Stunden Screen-on-Time sind der absolute Standard, über acht auch normal und manchmal lag ich noch darüber. Unfassbar. Beim S9+ komme ich kaum über vier Stunden, beim Note 9 eher auf sechs, das iPhone 8 Plus eher auf fünf und das iPhone X eher auf vier. Das Mate 20 Pro spielt in einer eigenen Liga.

Huawei Mate 20 Pro Test Super Charge

Ja, reverse Wireless Charging geht. Ein witziges Gimmick, was in der Praxis keiner braucht. Bei meinem S9+ und Note 9 funktioniert es quasi nie (ich vermute die Spulen liegen falsch) und auch andere Smartphones werden so schwach darüber geladen, dass man es sich sparen kann. Ein guter Werbegag und für Zubehör vielleicht relevant, mehr aber auch nicht. Wichtiger ist dagegen das Fast Charging. 40 Watt? Es ist krank, wie schnell das Huawei Mate 20 Pro seinen riesigen Akku geladen bekommt, Samsung hängt noch immer bei QC 2.0 mit 9V bei 1,67A. Wobei ich beim Mate 20 Pro tatsächlich etwas Sorge habe, wie es um den Akku in zwei Jahren stehen mag, 40 Watt sind schon extrem als Ladeleistung.

Tl;dr.

Mein Smartphone war das Galaxy S9+. Das Note9 war mir tatsächlich ein wenig zu unhandlich und den Stift habe ich dann im Alltag doch zu wenig genutzt. Dann kam das Huawei Mate 20 Pro. Quasi ein Galaxy S9+ mit einer besseren Kamera und einem extrem starken Akku. Ich dachte ursprünglich auch: geil, ein S9+ mit einem geileren Fingerabdrucksensor. Das stimmt nicht. In Display klingt gut, aber optisch kann es schlicht nicht mit einem klassischen Fingerabdrucksensor (wie auf der Rückseite des S9+) mithalten. ABER: ich brauche ihn auch kaum. Das S9+ hat eine Gesichtserkennung (nicht so sicher, bei low-light unbenutzbar) und einen Iris-Scanner. Der Iris-Scanner ist eine absolute Diva, extrem winkelempfindlich und auch bei der Distanz braucht es viel Übung. Wenn man beides aktiviert ist es bei heller Umgebung ok, wobei auch hier die Frontkamera schlicht nicht genug abdeckt um annähernd mit FaceID des iPhone X mitzuhalten. Wenn es dunkel wird, war ich nur noch am Fluchen. Ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite geht, aber optimal ist die Position nicht. Beim Note 8 und S8+ habe ich ernsthaft letztes Jahr wieder die PIN genutzt, beim S9+ schon immerhin wieder den Fingerabdrucksensor. Beim Mate 20 Pro gibt es nun aber eine 3D-Gesichtserkennung die quasi beim iPhone X abgekupfert ist und das … extrem gut. Nächstes Jahr wird in-display-fingerprint der Standard (mit Ultraschall eventuell), aber wenn eine Gesichtserkennung so gut ist, wie dies beim Mate 20 Pro der Fall ist, brauche ich das vielleicht gar nicht.

Huawei Mate 20 Pro Test Front Fingerprint

Jetzt kommt der springende Punkt: Seit sieben, acht Jahrennutze ich Samsung als Hauptgerät mit kurzen Ausflügen zur Konkurrenz. Das P20Pro hat das noch nicht geschafft (aber als Zweitgerät wegen der Kamera), das Huawei Mate 20 Pro aber nun doch. Ich nutze aktuell das Huawei Mate 20 Pro als Hauptgerät. Mal schauen wie lange, nächstes Jahr kommen dann ja auch Galaxy S10 und Co. FaceID des iPhone X, das Design des Galaxy S9+, der Akku der Mate-Reihe und die Kamera des P20 Pro – alles jeweils mit Anpassungen: 2018 stellt Huawei für mich das interessanteste Smartphone. Chapeau, Huawei.

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