HUAWEI USA

USA lockern Restriktionen gegenüber HUAWEI

Nach den für viele erschreckenden Meldungen der letzten Tage, gibt es nun eine erste überraschende Wendung. Denn nur 4 Tage nachdem die US Administration HUAWEI auf die Entity List (Handels Black List) gesetzt hat, rudert man nun – zumindest zeitweise – etwas zurück.

Genauer gesagt erteilt man eine für den Zeitraum von 3 Monaten befristete Generalerlaubnis, die HUAWEI – sowie deren 68 Tochterfirmen außerhalb der USA – erlaubt seine Geschäftsbeziehungen vorläufig fortzuführen. Damit werden Handel und Dienstleistungen temporär wieder möglich. Allerdings mit einigen Einschränkungen. Denn die Geschäftsbeziehungen dürfen ausschließlich der Aufrechterhaltung und dem Support bestehender Produkte und Dienstleistungen dienen. Im Einzelnen werden 4 konkrete Bereiche genannt, für die eine Erlaubnis grundsätzlich erteilt wird:

Fortgesetzter Betrieb bestehender Netzwerke und Geräte
Durchführung von Transaktionen, die erforderlich sind, um bestehende und derzeit voll funktionsfähige Netzwerke und Geräte, einschließlich Softwareupdates und Patches, zu warten und zu unterstützen.

Unterstützung für vorhandene Mobiltelefone
Durchführung von Transaktionen, die für die Erbringung von Service und Support, einschließlich Software-Updates oder Patches, für vorhandene Huawei-Mobiltelefone, die am oder vor dem 16. Mai 2019 der Öffentlichkeit zur Verfügung standen.

Cybersecurity Research und Offenlegung von Sicherheitslücken
Offenlegung gegenüber Huawei von Informationen betreffend Sicherheitslücken in Objekten, die Huawei gehören, von diesen besessen oder kontrolliert werden, wenn sie im Zusammenhang mit der Bereitstellung fortlaufender Sicherheitsforschung stehen, die für die Aufrechterhaltung der Integrität und Zuverlässigkeit bestehender und derzeit voll funktionsfähiger Netzwerke und Geräte sowie Mobilteile von entscheidender Bedeutung ist.

Verpflichtung zur Entwicklung von 5G-Standards durch ein ordnungsgemäß anerkanntes Normungsgremium
Zusammenarbeit mit Huawei, die für die Entwicklung von 5G-Standards im Rahmen einer ordnungsgemäß anerkannten internationalen Normungsorganisation erforderlich sind (Beteiligung von Huawei an Verbänden; z.B. GSMA, 3GPP, ITU).

Gnadenfrist oder Verhandlungsspielraum?

Diese befristete Generalerlaubnis kommt durchaus überraschend. Doch wie ist sie zu werten? Möchte man – natürlich vor allem den US-Unternehmen – die Möglichkeit bieten bestimmte Geschäfte zum Abschluss zu bringen? Beziehungsweise den kleineren Providern – die größtenteils auf die Netzwerke von HUAWEI setzen – ermöglichen den fortlaufenden Betrieb sicherzustellen (bevor sie mittelfristig auf einen anderen Hersteller umsteigen müssen)?

Oder ist es die Möglichkeit, dass man nach dem ordentlichen „Säbelrasseln“ nun ausloten möchte, wie dauerhaft der Handel zwischen den beiden Industrienationen USA und China fortgesetzt werden kann. Immerhin steht in gut 4 Wochen der G20 Gipfel in Osaka an, bei dem natürlich auch Donald Trump und Xi Jinping erwartet werden. Hier könnten also auf höchster Ebene Gespräche geführt werden, in welche Richtung der Handelskrieg insgesamt und der Konflikt mit dem „Spielball“ HUAWEI im konkreten, fortgesetzt wird.

Ren Zhengfei, Gründer und CEO von HUAWEI, hat sich inzwischen in den chinesischen Medien ebenfalls geäußert. Laut eigener Aussage hielt er die Auseinandersetzung mit den USA schon länger für unausweichlich. Hinsichtlich der 5G Pläne des Unternehmens habe der US Bann jedoch keine Auswirkungen, da man den Mitbewerbern 2-3 Jahre voarus sei. Und auch bei den anderen Geschäftsfeldern – allen voran natürlich die Smartphone Sparte – habe man entsprechend vorgesorgt.

Mit der eigenen Chip-Schmiede HiSilicon ist man hier tatsächlich einigermaßen unabhängig. Und auch hinsichtlich eines eigenen Betriebssystems hat man immer wieder gehört, dass man dies als „Plan B“ in der Schublade habe. Gleichwohl hat man jedoch auch eingeräumt, dass man hier nicht auf dem Stand der beiden marktbestimmenden Betriebssysteme iOS und Android ist. Und auch darüber hinaus gibt es so viele Verflechtungen im internationalen Handel, dass das selbstbewusste Auftreten von HUAWEI zwar eine gewisse reale Basis hat, man faktisch aber eine dauerhafte Handelsbeschränkung gravierend zu spüren bekäme.

Lose – Lose – Lose Situation

Egal mit wem ich mich in den letzten Tagen ausgetauscht habe, alle sind derzeit der gleichen Meinung. Für alle Beteiligten sieht es derzeit nach einer Verlierer-Situation aus. Die Umsätze, die auch US Unternehmen mit dem Geschäftspartner HUAWEI machen, sind durchaus beträchtlich. Entsprechend zeigte sich gestern auch der Aktienindex NASDAQ 100, der um 1,7% fiel. Zu den größten Verlierer zählten neben dem chinesischen Baidu vor allem Western Digital, Qualcomm und Broadcom. Und somit 3 US Unternehmen, die unmittelbar von den aktuellen Maßnahmen betroffen sind.

HUAWEI USA NASDAQ 100
Quelle: OnVista

Für alle Kunden bleibt letztlich zu hoffen, dass absehbar eine Lösung in Sicht gerät. Ob diese in einer Einigung besteht oder darin, dass HUAWEI sich komplett unabhängig machen kann – inklusive konkurrenzfähigem OS – ist dabei fast egal. Denn je länger die Unsicherheit anhält, umso mehr Schaden wird dies für HUAWEI bedeuten.

26 Kommentare

  1. Konstantin 21. Mai 2019
    • Marco 21. Mai 2019
  2. Udo Dvorak 21. Mai 2019
  3. Daniel 21. Mai 2019
  4. Andreas 21. Mai 2019
    • Markus 22. Mai 2019
  5. Tomi 21. Mai 2019
    • Stefan 22. Mai 2019
      • Marco 22. Mai 2019
        • Stefan 22. Mai 2019
  6. Jürgen 21. Mai 2019
    • Stefan 22. Mai 2019
  7. PoisonIvy 21. Mai 2019
  8. M.G 22. Mai 2019
    • Stefan 22. Mai 2019
  9. Lis 22. Mai 2019
    • Marco 22. Mai 2019
  10. Yvonne 22. Mai 2019
    • Marco 23. Mai 2019
      • Werner 23. Mai 2019
        • Marco 23. Mai 2019
          • Werner 23. Mai 2019
          • Marco 23. Mai 2019
  11. Mike R. 23. Mai 2019
    • Marco 23. Mai 2019
  12. Wolfgang Drei. 1. Juni 2019

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