Sich einen Platz an der Spitze zu erobern, ist mitunter leichter als diesen über einen längeren Zeitraum zu verteidigen. Bekanntlich ist aber auch immer Luft nach oben und speziell im Smartphone-Sektor, wo Stillstand ja bekanntlich auch Rückschritt bedeutet, waren die Plätze unter den drei größten Smartphone-Herstellern bisher an Samsung, Apple und Huawei vergeben. Eine aktuelle Counterpoint-Studie sollte nun Huawei-Fans und Freunden die Freude ins Gesicht treiben, hat sich doch an der Rangordnung in den Top 3 etwas geändert.

Schaut man sich die Anzahl der verkauften Einheiten für den Juni und Juli an, hat Huawei hier den dritten Platz verlassen und Apple als Zweitplatzierten verdrängt. Beide Unternehmen haben somit die Plätze getauscht und ein aktueller Forecast deutet darauf hin, dass Huawei hier auch im August den dritten Monat in Folge auf Platz Zwei verbringen könnte: Der klassische Hattrick also! Doch bevor wir hier die neue Smartphone-Weltordnung in Stein meißeln, sei der ein oder andere vorsichtige Einwand erlaubt, denn diese aktuelle Momentaufnahme sollte man auch ein wenig demütig von mehreren Seiten betrachten.

Fakt 1: Samsung spielt aktuell (noch und zumindest auf reine Zahlen bezogen) in einer eigenen Liga – den Status hat man sich auch über Jahre erarbeitet. Fakt 2: Apple verzeichnet in seinem – zugegeben kleinen – Smartphone-Portfolio die höchste Marge und logischerweise auch den größten Gewinn: Der aktuell dritte Platz im Ranking wird in Cupertino meiner Meinung nach aktuell nicht für Kopfschmerzen sorgen- spätestens die nächste iPhone-Generation wird viele Zahlen wieder ein wenig durcheinanderwürfeln.

Fakt 3: Huawei hat aktuell einen Lauf, der in Einheiten gemessen definitiv den Weg des Unternehmens unterstreicht – und das in vielerlei Hinsicht. Hier wage ich auch einmal die Behauptung, dass dieser Weg noch längst nicht zu Ende ist – die Entwicklung der letzten zwei bis drei Jahre sollte auch hier ein Beleg sein. Nachlegen muss man aber an anderer Stelle, doch dazu im Laufe des Artikels mehr gemäss dem Motto „Wo Licht ist, ist auch Schatten“.

Markanteile Smartphones Juli 2017

Peter Richardson, seines Zeichens Forschungsleiter bei Counterpoint, sagt zu der aktuellen Umverteilung an der Spitze: „Dies ist ein signifikanter Meilenstein für Huawei, die größte chinesische Smartphone-Marke mit einer wachsenden globalen Präsenz. Es spricht nur für den ursprünglichen Hersteller von Netzwerk-Infrastruktur-Komponenten, dass man sich binnen der letzten drei bis vier Jahre so im Smartphone-Markt positionieren konnte. Eben diese nun erlangte Position baut auf die stetigen Investitionen in Forschung & Entwicklung und Herstellung gepaart mit aggressivem Marketing und Erweiterung der Vertriebskanäle auf.“

„Während diese aktuelle Serie auch aufgrund der nahenden jährlichen iPhone-Aktualisierung nur von kurzer Dauer sein könnte, unterstreicht sie dennoch das Niveau, auf dem Huawei mittlerweile gewachsen ist“ fügt Peter Richardson hinzu. „Nichtsdestotrotz sorgt eine schwache Präsenz in Süd-Asien, Indien und Nord-Amerika für die aktuelle Limitierung des möglichen Potentials Huaweis, um kurz- bis mittelfristig die zweite Position hinter Samsung zu zementieren. Huawei ist immer noch zu abhängig vom heimischen Markt in China, wo man als Marktführer agiert und den Netzwerkausrüster-Märkten in Europa, Lateinamerika und im Mittleren Osten“ gibt Richardson abschliessend zu Protokoll.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Associate Director von Counterpoint, Tarun Pathak. „Das Wachstum der chinesischen Marken ist ein wichtiger Trend, den kein Mitspieler im mobilen Ökosystem einfach ignorieren kann. Speziell in den Schlüsselmärkten China, Europa, Rest-Asien und Lateinamerika hat das Wachstum der chinesischen Marken die Wachstumsprognosen für etabliertere Hersteller wie Samsung oder Apple erheblich eingeschränkt. Dieses Wachstum findet nicht nur durch die Faktoren Smartphone-Design, Features und Herstellungs-Prozesse, sondern auch durch das sprichwörtliche „Austricksen“ der Mitbewerber in Bezug auf Vertriebs-Kanäle und Marketing-Strategien statt.

Pathak fügt hier hinzu, dass „Huawei, Oppo, Xiaomi bereits erfolgreichen Zugang zu Lieferketten- und Partner erhalten haben, die auf Faktoren wie rahmenlose Displays, Augmented Reality, hauseigene Chipsätze oder erweiterte Kamera-Funktionen setzen. Eben diese „großen Fische“ im Teich der Smartphone-Industrie haben mittlerweile auf dem Weltmarkt den gleichen Stellenwert wie Samsung oder Apple, wenn es um die globale Lieferketten geht. Dazu passende Applikationen oder Systemanpassungen, die einen Hersteller von den anderen abhebt – Stichwort EMUI – sowie die Nutzung entsprechender Vertriebskanäle und fertig ist die steigende Gefahr für die bisherigen, gesetzten Marktführer“.

Top 10 Smartphones Juli 2017

Klingt eigentlich alles zu gut, um wahr zu sein und bekanntlich hat jede Medaille ja auch zwei Seiten. Nach all dem Licht müssen wir aber auch den momentanen Schatten näher in Augenschein nehmen: Obwohl Huawei zum jetzigen Zeitpunkt hinter Samsung der zweitgrößte Smartphone-Hersteller ist, finden wir keins der Huawei-Geräte in den Top Ten der verkauften Smartphones. Fast erwartungsgemäss führt Apple mit dem iPhone 7 und dem iPhone 7 Plus die Liste an, gefolgt vom OPPO R11 und dem OPPO A57, während der fünfte Platz von Samsungs Galaxy S8 besetzt wird. Dahinter gesellen sich das Redmi Note 4X von Xiaomi und ein Samsung-Block bestehend aus dem Galaxy S8+, dem Galaxy J7 Prime und dem Galaxy A5 2017. Eine kleine Unterbrechung an Position acht weicht diesen Block in Form von Apples iPhone 6 noch einmal ein wenig auf. Auch hier sei noch einmal daran erinnert, dass wir hier von einer Momentaufnahme der Monate Juni und Juli sowie – aller Voraussicht nach – August 2017 sprechen.

Pavel Naiya, seines Zeichens Senior Analyst bei Counterpoint, steuert hier noch seinen eigenen Eindruck bei: „Obwohl Huawei sich zum zweitgrößten Smartphone-Hersteller weltweit emporgearbeitet hat, ist es überraschend zu sehen, dass keins der Modelle es bis in die Top Ten der Smartphones geschafft hat. Grund hierfür könnte das vielfältige Portfolio sein, dass unserer Meinung nach noch ein absolutes Top-Gerät vermissen lässt. Während eben dieses Portfolio ein Agieren an mehreren Fronten und in verschiedenen Märkten möglich macht, trägt es recht wenig zur Gesamtwahrnehmung der Marke im Ganzen bei. Eben dies braucht man bei Huawei allerdings, möchte man weiterhin Marktanteile der Mitbewerber abgreifen. Das Mittel zum Zweck sollte also ein überschaubareres Produkt-Portfolio sein, wie es mittlerweile auch OPPO oder Xiaomi geschafft haben – mit deutlich mehr konzentriertem Rückenwind für deutlich weniger Produkte.“

Ihr seht also: Es bleibt weiter spannend auf dem Smartphone-Markt. Huaweis Aufstieg der letzten Jahre trägt nun auch in den hier erwähnten Ranglisten erste Früchte. Als Nutzer und Fans der Geräte sind wir auch natürlich bereits überzeugt und die letzten Wochen und Monate zeigen auch, dass Huawei nach vorne schaut, plant und denkt. Sind wir aber einmal ehrlich: Die besprochene Statistik ist trotz allem Optimismus eine Momentaufnahme, die schon im letzten Quartal diesen Jahres mit dem Weihnachtsgeschäft der zu erwartenden iPhone-Verkäufer wieder ganz anders aussehen kann und voraussichtlich auch wird. Doch das ist nicht schlimm, denn Huawei hat mit diesem Status Quo definitiv einen eigenen Meilenstein erreicht und neben den bewährten Geräten ja auch noch das Mate 10 in der Hinterhand. Es bleibt also spannend!

Quelle: Counterpoint Research

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