Huawei will 2031 Chips auf 1,4-nm-Niveau bauen — ohne ASML, ohne Erlaubnis aus Washington.
Heute Morgen hat He Tingbo, Chefin von Huaweis Halbleiter-Sparte HiSilicon, auf einem Symposium in Shanghai eine Ansage gemacht, die in der Branche noch lange nachhallen wird. Ich habe es gelesen, zweimal, und musste kurz durchatmen: Huawei will bis 2031 Chips mit einer Transistordichte von 1,4 Nanometern herstellen — und das ohne die EUV-Maschinen von ASML, zu denen die USA dem Unternehmen seit Jahren den Zugang sperren.
Wer sich auch nur ansatzweise mit Halbleitern beschäftigt, versteht, was das bedeutet. Es ist, als würde jemand ankündigen, einen Formel-1-Boliden zu bauen — ohne Zugang zu den modernsten Motoren der Welt. Und dann sagt er: “Wir bauen einen anderen Motor.”
„Das Tau Scaling Law ist Huaweis Antwort auf eine Welt, in der die Regeln von anderen gemacht werden.”
Was ist das Tau Scaling Law — und warum ist es revolutionär?
Die klassische Halbleiter-Industrie folgt seit Jahrzehnten dem Mooreschen Gesetz: kleiner, kleiner, kleiner. Transistoren schrumpfen, mehr passen auf einen Chip, Leistung steigt. Doch irgendwann stößt auch die Physik an ihre Grenzen — und mit dem US-Bann auf EUV-Lithografie-Anlagen hat Washington diese Grenze für Huawei künstlich vorgezogen.
Huawei dreht das Prinzip nun um. Das Tau Scaling Law — von einigen bereits als “He’s Law” bezeichnet — setzt nicht auf das weitere Schrumpfen der Transistoren, sondern auf die Beschleunigung der Signalübertragung innerhalb des Chips. Weniger Leitungsweg, mehr Effizienz. He Tingbo sagte sinngemäß: Die Industrie kann sich nicht mehr allein auf geometrische Verkleinerung verlassen. Ich finde, das ist einer jener seltenen Momente, in dem ein Unternehmen nicht eine Lücke schließt — sondern einen neuen Weg beschreitet.
LogicFolding — wenn Architektur die Lithografie ersetzt
Die konkrete Umsetzung des Tau-Prinzips heißt LogicFolding. Die Idee: Durch das “Falten” von Logikelementen werden interne Verdrahtungswege radikal verkürzt. Weniger Kabel, weniger Verlust, schnellere Signale. Bereits im Herbst 2026 sollen neue Kirin-Prozessoren auf den Markt kommen, die auf dieser Architektur basieren.
Das ist kein Forschungsprojekt auf dem Papier. Huawei hat nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Jahren bereits 381 verschiedene Chips nach diesem Grundprinzip entwickelt und in Serie produziert — für Smartphones und KI-Anwendungen. Das ist die stille Parallelwelt, die Washington unterschätzt hat.
„381 Chips in sechs Jahren. Das ist kein Beweis, dass es irgendwann funktionieren könnte — das ist Beweis, dass es bereits funktioniert.”
Der US-Bann — und sein unerwarteter Nebeneffekt
Reden wir offen darüber, denn ohne diesen Kontext ist die ganze Geschichte nicht zu verstehen.
Seit Jahren versuchen die USA, Chinas Halbleiter-Ambition zu stoppen. Der Weg dazu: Exportbeschränkungen für fortschrittliche Lithografie-Systeme, allen voran die EUV-Anlagen von ASML. Ohne EUV, so das Kalkül in Washington, kann China keine Chips unter 7 nm herstellen. Kein Zugang zur Technik, kein Fortschritt. So die Theorie.
Die Praxis ist komplizierter. Der Bann hat Huawei nicht gestoppt — er hat Huawei gezwungen, anders zu denken. Als die Tür zugeschlagen wurde, hat man keine Hintertür gesucht. Man hat entschieden, das Haus ohne diese Tür zu bauen.
Gelingt das wirklich in Serie, wäre eine der Grundannahmen der Halbleiter-Industrie hinfällig: dass Spitzen-Chips zwingend EUV-Equipment erfordern. Das wäre nicht nur ein technologischer, sondern ein geopolitischer Erdrutsch.
Was bedeutet “drei Jahre Rückstand” wirklich?
Ich möchte einen wichtigen Punkt nicht verschweigen, den kritische Beobachter zurecht einbringen: Huaweis Zieldatum 2031 liegt drei Jahre hinter TSMCs geplantem Start 2028. Außerdem spricht Huawei von einer äquivalenten Transistordichte — nicht von einem physisch gleichen 1,4-nm-Prozess. Es ist ein architektonisches Äquivalent, kein lithografisches. Unabhängige Benchmarks fehlen noch.
Das ist kein Grund, die Ankündigung kleinzureden. Aber es ist ein Grund, präzise zu bleiben. Huawei holt auf — aber es ist noch kein Gleichstand. Für ein Unternehmen, dem man den Zugang zu den wichtigsten Werkzeugen der Branche verwehrt, ist es trotzdem eine bemerkenswerte Leistung.
Mein Fazit — und warum mich das beschäftigt
Ich schreibe seit Jahren über Huawei. Ich habe die Verhängung der Sanktionen beobachtet, die Schockstarre danach, und dann die langsame, hartnäckige Reaktion des Unternehmens. Der Kirin 9000S war der erste große Moment, in dem klar wurde: die haben die Zeit nicht vertan.
Das Tau Scaling Law ist der zweite. Vielleicht wichtigere.
Denn während TSMC und Samsung die gleiche Technik mit immer teureren Maschinen verfeinern, fragt Huawei: Was, wenn wir das Problem gar nicht so lösen? Diese Frage ist unbequem — für Washington, für ASML, und für alle, die geglaubt haben, dass der Bann ein dauerhaftes Einfrieren bewirkt.
2031 ist noch fünf Jahre hin. Viel kann passieren. Aber wer Huawei in den letzten Jahren beobachtet hat, der weiß: unterschätzen ist keine gute Strategie.








Mein lieber Schwan
Da bin ich echt mal gespannt auf die ersten Messungen / Vergleiche
Wenn die tatsächlich gleich gut sind, dann wird das eine ganz spannende Geschichte
offtopic
Ich denke die Seite hat noch ein Code-Problem, die Ansicht passt noch nicht so ganz
Hi @Mezza. Was passt mit der Ansicht nicht?
Guten Morgen Rainer
Die 3 Anzeigen von “auch interessant" sind in die Breite gezogen und gehen über die ganze Breite, die Ansicht der 3 Hinweise ist verzerrt
Das Kommentarfeld geht über die gesamte Bildschirmansicht ( normalerweise mittig mit freiem Platz Li + Re der Kommentare )
Ah ja, i see.