Update, 24. Oktober, 16.30 Uhr

Die Firma Tresor24 hat sich bei uns gemeldet und erklärt, dass man vermeintlich ein Ziel eines Hacker Angriffes geworden ist. Der eigene Amazon-Shop wurde lt. Aussage eines Mitarbeiters von Tresor24 von Betrügern gekapert und für falsche Angebote wie unten beschrieben missbraucht. Tresor24 als Händler, der sich ausschließlich auf Tresore spezialisiert hat, hat also allen Augenschein nichts mit den Betrügereien zu tun. Der eigene Shop auf Amazon.de wurde lt. Aussage des Mitarbeiters in Zusammenarbeit mit Amazon aufgeräumt, sodass er nun wieder unter der Kontrolle von Tresor24 ist und alle Fake-Angebote entfernt sind (Dies kann momentan durch uns nicht verifiziert werden, da sich noch sämtliche Angebote von Tresor24 nicht wieder online befinden).

Wir bleiben über diese Betrugsmasche von Amazon weiterhin am Ball und werden weiter berichten.

Originalartikel, 22. Oktober, 21.00 Uhr

In letzter Zeit sind wir vermehrt auf vermeintliche Schnäppchen auf Amazon aufmerksam gemacht wurden, bei denen es sich am Ende jedoch nur um Produkte handelt, die der Verkäufer gar nicht besitzt und damit unehrliches Geld verdienen will. In diesem Artikel wollen wir euch mehr darüber erzählen, euch den Betrug anhand eines Huawei P9 erklären und vor allem eine Warnung aussprechen.

Diese Betrugsmasche gibt es jedoch schon seit längerem. Die sehr empfehlenswerte Internetseite mimikama, die Aufklärung über Internetmissbrauch betreibt, hat schon im September 2015 und noch detaillierter im Februar dieses Jahres vor ihr gewarnt.

In der Vergangenheit gab es aber nicht merklich viele Smartphones auf dem Amazon Marketplace, die durch diese Betrugsmasche deutlich günstiger angeboten worden. Subjektiv eingeschätzt hat sich dies jedoch in den letzten Wochen drastisch verändert, sodass wir euch heute am Beispiel eines angeblichen neuen Huawei P9 für 236 Euro den Schwindel aufzeigen wollen.

Das Angebot

Nehmen wir folgendes an: man ist auf der Suche nach einem neuen Huawei P9 und möchte dieses auf Amazon bestellen. Man gibt den Suchbegriff bei in Amazons Suchleiste ein und wie gewohnt ist der erste Treffer genau der richtige.

Die Kurzübersicht erscheint und der zentral angezeigte Preis beträgt 484 Euro. Doch unter diesem steht noch etwas: „EUR 236,60 neu (56 Angebote)„.

amazon betrugsmasche angebotspreis

Das P9 kann also neu auch für 236,60 Euro gekauft werden? Na dann mache ich das doch! Wenn das auf Amazon ist, wird das schon sicher sein und der Preis ist natürlich viel besser.

Falsch! Denn als nächstes wird man zum Amazon Marketplace weitergeleitet. Dort wird das vermeintlich sehr günstige Angebot ganz oben angezeigt. Es gibt jedoch eine entscheidende Bemerkung des Verkäufers:

Guten Abend,Zum Einkaufen, schreiben sie, artikelneu@WEB, De – SOFORT-KAUFEN und LIEFERUNG frei ~ DANKE!!

amazon betrugsmasche e-mail-aufforderung

Hier fängt der Betrug an!

Sobald man sich mit dem ‚Verkäufer‘ über eine private E-Mail in Verbindung setzt, greift kein Schutz von Amazon mehr und wenn Schaden entsteht, steht man meist alleine da!

 

Wenn wir einen Blick ins Impressum des Anbieters werfen, sehen wir genaue Angaben zum angeblichen Verkäufer (von uns unkenntlich gemacht). Kurz googeln: die E-Mail-Adresse (die von der oben angegebenen abweicht) existiert wirklich, auch in Zusammenhang mit der im Impressum genannten Person.

amazon betrugsmasche impressum

Guckt man sich die Informationsseite weiter an, so findet man unter anderem Versandinformationen, in denen beschrieben wird, wie die Tresore geliefert werden. Die Tresore? Ja, richtig. Alle Informationen sind über Tresore und keineswegs über Handys wie das P9. Auch, wenn man die zugehörige Internetadresse zur E-Mail-Adresse www.tresor24.de besucht, geht es nur um Tresore und von Handys fehlt jede Spur.

Wenn wir uns die weiteren, vom Händler angebotenen, Produkte ansehen, wird die Masche noch deutlicher. Fast alles ist dabei. Von Staubsaugern über Waschmaschinen über Handys bis hin zu Grafikkarten. Jedes Produkt wird zu einem extrem günstigen Preis angeboten und bei jedem Artikel soll man vor der Bestellung eine Nachricht an die angegebene E-Mail-Adresse bei web.de schreiben.

amazon betrugsmasche weitere-betrugsangebote

All das ist Betrug!

Wir haben den Selbstversuch gemacht und den Händler, der das P9 so günstig anbietet, angeschrieben und erklärt, das wir das Handy kaufen wollen. Die Antwort kam recht prompt und man hat mit einer Standard-Antwort in auffallend schlechtem Deutsch erklärt, wie angeblich die Zusammenarbeit mit Amazon laufen soll welche Daten mitgeteilt werden sollen (Hinweis: bei der Adresse am Ende der E-Mail handelt es sich um eine private Wohnung, weshalb wir sie zensiert haben).amazon betrugsmasche erste-mail

Ebenso wird erklärt, weshalb das Angebot angeblich so günstig wäre:

Der Preis ist weniger als üblich. Wir haben spezielle Angebote in diesem Zeitraum. Das Angebot dauert 7 Tage.

Obwohl einem der gesunde Menschenverstand spätestens jetzt sagen sollte, dass da irgend etwas nicht stimmen kann, hofft man jedoch manchmal naiverweise trotzdem darauf, dass man einfach nur Glück hatte. Wir haben also weiter gemacht und bereitwillig unsere (natürlich nicht echten!) Daten herausgegeben.

Wieder kurz darauf erfolgte die Antwort. Diesmal gibt es zwei E-Mails: einmal erneut eine persönliche vom ‚Verkäufer‘ und eine angeblich von Amazon stammende offizielle. Die Nachricht des Verkäufers weist noch einmal in schlechtem Deutsch auf die gefälschte Bestelllbestätigung hin.

amazon betrugsmasche erste-mail

Das wirklich interessante ist die falsche Mail vom Absender „Amazon.de“ mit der Adresse „auto-bestatigen-zahlung@europa-amazon.de„. Diese klingt zunächst seriös. Besucht man jedoch die Seite „europa-amazon.de“ wird man nur auf eine Ankündigung, dass hier eine neue Webseite entstände, verwiesen. Um eine offizielle Amazon-E-Mail handelt es sich also nicht.

Die Nachricht sieht auf den ersten Blick jedoch täuschend echt aus. Das Design orientiert sich am Original und unterscheidet sich lediglich in Schriftart und Schriftgröße.

amazon betrugsmasche bestellbestaetigung-original-faelschung

Im oberen Teil ist der Satz „Der Befehl ist nicht in Ihrem Konto, bis die Zahlung bestätigt wird.“ sehr interessant. Man gibt dem Betrugsopfer also eine falsche Erklärung, weshalb die Bestellung nicht im Amazon-Konto auftaucht.

amazon betrugsmasche zweite-email-erster-teilDen „richtig falschen“ Teil gibt es weiter unten zu finden. Die Betrüger erklären, dass Amazon angeblich die Zahlung sichern würde und das Geld auf folgendes Konto überwiesen werden soll (Unkenntlichmachung von uns):

Kontoinhaber: Amazon GmbH
Name der Bank: Raiffeisen Bank S.A.
IBAN: RO76RZBR00000XXXXXXXXXX
BIC/SWIFT: RZBRROBU

amazon betrugsmasche falsche-erklaerungen

Die Raiffeisen Bank S.A. ist eine Bank mit Sitz in Rumänien, was ebenso die verwendete IBAN mit den Anfangsbuchstaben RO und die BIC RZBRROBU bestätigen. Wenn also Geld auf die angegebene Adresse überwiesen wird, landet diese in Rumänien. Dass die (übrigens nicht existente) Amazon GmbH dieses Geld erhält, ist ebenso nicht der Fall.

Wir haben an dieser Stelle aufgehört und nicht mehr weiter gemacht. Zum Abschluss noch einmal der ganz wichtige Hinweis:

Wenn ihr etwas auf Amazon kaufen wollt, dann lasst euch niemals darauf ein, dass ihr dem Verkäufer vorher eine E-Mail schreiben sollt! Es handelt sich hierbei um eine betrügerische Masche, bei der ihr am Ende zwar das Geld los seid, den Artikel jedoch nie erhalten werdet.

Solltet ihr bereits Opfer der Kriminellen geworden sein, so wendet euch an Amazon, eure Bank und gegebenenfalls an die Polizei. Möglicherweise ist dann noch Schadensbegrenzung zu betreiben.

 

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Über den Autor

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15 Jahre alt, Schüler, Smartphone begeistert, hält nichts von Vorurteilen

4 Kommentar(e)

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Bernd

Wer bei amazon außerhalb der regulären Kaufabwicklung was bezahlt ist selber schuld. Bei keinem Verkäufer auf amazon muss man direkt per Überweisung bezahlen. Wenn einem da nicht das Licht aufgeht, dann gehört man sogar bestraft. 😉

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Katja

Die Gier nach Schnäppchen macht eben blind. Und wenn nicht jeden Tag ein neues Opfer aufsteht, würde diese Masche ja längst ausgestorben sein.

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M.G

Das ist ja schon eine Weile bekannt.Leute die darauf eingehen sind selber Schuld den so blöd kann kein Mensch sein.Ich bin schon lange amazon Kunde und als ich das gesehen habe musste ich nur lachen.

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Norbert Lewerken

Super informativer Artikel.

Danke dafür

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